Neuer Artikel in EP Europace: "Use of a taurolidine containing antimicrobial wash to reduce cardiac implantable electronic device infection"

TauroPace™ in der Rhythmus-Chirurgie

Diagnosen und Behandlungsmöglichkeiten

Aktive kardiale elektronische Implantate (d. h. Schrittmacher oder implantierbare Kardioverter-Defibrillatoren, im Folgenden Schrittmacher genannt) sind oft der einzige Weg, um Herzrhythmusstörungen effektiv zu behandeln. Ohne ausreichenden Schutz können Schrittmacher jedoch Infektionen auslösen und damit das Leben der Patient:innen gefährden. TauroPace™ ist eine antimikrobielle Lösung, die während operativer Eingriffe zur Prävention von Schrittmacherinfektionen eingesetzt wird. [10]

Wann wird ein Schrittmacher oder implantierbarer Defibrillator notwendig?

Es gibt verschiedenste Arten von Herzrhythmusstörungen, die einen Schrittmacher oder Defibrillator erfordern. Grundsätzlich werden solche Herzrhythmusstörungen immer dann erkennbar, wenn das Herz die übrigen Organe nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt. Zu den häufigsten Diagnosen gehören:  

Krankheitsbild

Bei gesunden Erwachsenen liegt die Pulsfrequenz im Schnitt bei 60 bis 100 Schlägen pro Minute (in Ruhe). Im Falle einer Bradykardie sinkt die Frequenz auf unter 60 pro Minute (was für hochtrainierte Personen wie z. B. professionelle Athlet:innen jedoch durchaus normal sein kann). 

 

Symptome

  • Kurzatmigkeit 
  • Erschöpfung
  • Schwindel
  • Ohnmacht
  • (während Alltagsaktivitäten oder im Ruhezustand) 

 

Ursachen/Risikofaktoren

  • Krankhafte strukturelle Veränderungen am Herzen (z. B. koronare Herzerkrankung, Herzschwäche, Herzklappenerkrankungen, Herzmuskelerkrankungen) 
  • Einnahme spezieller Medikamente
  • Alter über 64 
  • Kürzlich erfolgte Herzoperation 

 

Behandlung

Die symptomatische Bradykardie wird üblicherweise mit einem dauerhaft implantierten Schrittmacher behandelt.

Krankheitsbild

Patient:innen, die an Tachykardie (oder Tachyarrhythmie) leiden, haben eine Pulsfrequenz von über 100 – und in manchen Fällen sogar über 200 – Schlägen pro Minute in Ruhe.  

 

Symptome

  • Kurzatmigkeit 
  • Erschöpfung
  • Schwindel
  • Ohnmacht
  • Stenokardie (Schmerzen oder Engegefühl im Brustbereich)

 

Ursachen/Risikofaktoren

  • Hoher Blutdruck (arterielle Hypotension) 
  • Strukturelle Veränderungen am Herzen (z. B. koronare Herzerkrankung, Herzschwäche, Herzklappenerkrankungen, Herzmuskelerkrankungen)
  • Beeinträchtigung der Schilddrüse
  • Chronische Lungenerkrankungen
  • Nierenerkrankungen
  • Psycho-emotionaler Stress
  • Alkohol-/ Drogenkonsum 
  • Exzessiver Koffeinkonsum
  • Rauchen

 

Behandlung

In manchen Fällen lässt sich Tachykardie mit einem implantierbaren Kardioverter-Defibrillator (ICD) behandeln. 

Krankheitsbild

Das Herz ist nicht mehr fähig, ausreichend Blut durch den Körper zu pumpen.

 

Symptome

  • Kurzatmigkeit
  • Erschöpfung
  • Husten mit Auswurf
  • Geschwollene Beine und Füße (verursacht durch Blutstau in den Venen)
  • Nykturie (häufiges Aufwachen in der Nacht wegen Harndrang) 
  • Schwindel/Ohnmacht 

Bitte beachten Sie: Akutes Herzversagen macht sich mit Symptomen wie Kurzatmigkeit, Schwindel und Ohnmacht meist relativ schnell bemerkbar. Chronisches Herzversagen äußert sich dagegen nur allmählich im Laufe der Zeit, was die Diagnose und Behandlung mitunter verzögern kann. 

 

Ursachen/Riskikofaktoren

Herzinsuffizienz wird durch Schäden am Herzmuskelgewebe ausgelöst und entwickelt sich normalerweise eher langsam. Akutes Herzversagen kann auch infolge eines Herzinfarkts auftreten. Dabei gibt es einige Faktoren, die das Risiko für Patient:innen erhöhen: 

  • hoher Blutdruck (arterielle Hypertonie) 
  • koronare Herzerkrankungund Herzinfarkt (Myokardialinfarkt) 
  • angeborene oder erworbene Beeinträchtigung der Herzklappe(n) 
  • angeborene Herzfehler
  • Erkrankung des Herzmuskels (Kardiomyopathie)
  • Infektion am Herzen (Endokarditis)
  • Entzündung des Herzgewebes (Myokarditis)
  • Fälle von Herzleiden in der Familie
  • Diabetes
  • Herzrhythmusstörungen

 

Behandlung

Je nach Schweregrad kann Herzversagen die Implantation eines speziellen Schrittmachers erforderlich machen. 

Krankheitsbild

Wenn die Durchblutung im Gehirn kurzzeitig unterbrochen wird, verlieren Patient:innen das Bewusstsein (wobei es nicht selten zu Unfällen und Verletzungen kommt). Solche Vorfälle können einmalig oder auch wiederholt auftreten und dadurch die Lebensqualität der Betroffenen massiv beeinträchtigen. 

 

Symptome

  • Schwindel
  • Erschöpfung
  • Übelkeit 
  • Orientierungsverlust
  • Schweißausbrüche
  • Sehstörungen

 

Ursachen/Risikofaktoren

 

1. Reflex-Synkope

Die abnormale Erweiterung der blutführenden Gefäße kann zu einem kurzfristigen Blutdruckabfall und zur Minderversorgung des Gehirns mit sauerstoffreichem Blut führen. Solche Vorfälle werden ausgelöst durch Faktoren wie:  

  • extremes Angst- oder Schmerzempfinden 
  • starke visuelle Reize oder unangenehme Gerüche 
  • langes Stehen 
  • psycho-emotionaler Stress

 

2. Orthostatische Synkope

Ein abrupter Wechsel von liegender zu sitzender oder stehender Haltung führt zu Blutstau in den Venen und relativem Blutverlust im Gehirn. Häufigster Auslöser dafür ist mangelnde Flüssigkeitszufuhr oder relativer Flüssigkeitsmangel in den Gefäßen. 

 

3. Kardiale Synkope

In manchen Fällen kann eine Herzrhythmusstörung zu Ohnmacht oder sogar plötzlichem Herzstillstand führen.  

 

Behandlung

Wenn die Synkope durch eine Herzrhythmusstörung bedingt ist und andere Behandlungsmaßnahmen nicht greifen, kann die Implantierung eines Schrittmachers oder Defibrillators notwendig sein. 

Heart-Surgery-Lead-Canva
Arzt und Pflegekraft mit Führungsdraht. Quelle: Canva

Referenzen

  1. Rennert-May et al. Epidemiology of cardiac implantable electronic device infections in the United States: A population-based cohort study. Heart Rhythm 2020. DOI: 10.1016/j.hrthm.2020.02.012 
  2. Sohail et al. Increased long-term mortality in patients with cardiovascular implantable electronic device infections. Pacing Clin Electrophysiol 2015. DOI: 10.1111/pace.12518
  3. Ludwig et al. Incidence and costs of cardiac device infections: retrospective analysis using German health claims data. J Comp Eff Res 2018. DOI: 10.2217/cer-2017-0080
  4. Blomström-Lundqvist et al. European Heart Rhythm Association (EHRA) international consensus document on how to prevent, diagnose, and treat cardiac implantable electronic device infections […]. EP Europace 2020. DOI: 10.1093/europace/euz246
  5. Tarakji et al. Antibacterial Envelope to Prevent Cardiac Implantable Device Infection. N Engl J Med 2019. DOI: 10.1056/NEJMoa1901111
  6. Mittal et al. Cardiac implantable electronic device infections: incidence, risk factors, and the effect of the AigisRx antibacterial envelope. Heart Rhythm 2014. DOI: 10.1016/j.hrthm.2013.12.013
  7. Eby et al. Predictors of cardiac implantable electronic device infection from a large United States healthcare organisation. EP Europace 2018. DOI: 10.1093/europace/euy015.306
  8. Unpublished WIDO data on file at CAU Medical Faculty (Kiel, Germany). 
  9. Henke et al. Taurolidine containing antimicrobial wash to prevent cardiac implantable electronic device infection. Abstract presented at Heart Rhythm Congress 2022. Eur J Arrhythm Electrophysiol 2022. (Abstract 129)
  10. Borov et al. Use of a taurolidine containing antimicrobial wash to reduce cardiac implantable electronic device infection. EP Europace 2023. DOI: 10.1093/europace/euad306
  11. Wu et al. Collagen sponge prolongs taurine release for improved wound healing through inflammation inhibition and proliferation stimulation. Ann Transl Med 2019. DOI: 10.21037/atm-21-2739
  12. Radakovic et al. Taurolidine Acts on Bacterial Virulence Factors and Does Not Induce Resistance in Periodontitis-Associated Bacteria – An In-Vitro Study. Antibiotics (Basel) 2020. DOI: 10.3390/antibiotics9040166 
  13. Ahsan et al. A simple infection-control protocol to reduce serious cardiac device infections. EP Europace 2014. DOI: 10.1093/europace/euu126
  14. Polyzos et al. Risk factors for cardiac implantable electronic device infection: a systematic review and meta-analysis. EP Europace 2015. DOI: 10.1093/europace/euv053
  15. Ahmed et al. Cardiac implantable electronic device (CIED) infections are expensive and associated with prolonged hospitalisation: UK Retrospective Observational Study. PLoS One 2019. DOI: 10.1371/journal.pone.0206611
  16. Redmond et al. RandomiSed clinical trial assessing Use of an anti-inflammatoRy aGent in attenUating peri-operatiVe inflAmmatioN in non-meTastatic colon cancer - the S.U.R.G.U.V.A.N.T. trial. BMC Cancer 2018. DOI: 10.1186/s12885-018-4641-x
  17. Borov et al. Salvage of infected cardiac implantable electronic device with taurolidine—a case report. Cardiothorac Surg 2022. DOI: 10.1186/s43057-022-00068-5
  18. Browne et al. Taurolin, a new chemotherapeutic agent. J Appl Bacteriol 1976. DOI: 10.1111/j.1365-2672.1976.tb00647.x
  19. Pfirrmann et al. The anti-endotoxin activity of Taurolin in experimental animals. J Appl Bacteriol 1979. DOI: 10.1111/j.1365-2672.1979.tb02586.x
  20. Gidley et al. The mode of antibacterial action of some ‘masked’ formaldehyde compounds. FEBS Letters 1981. DOI: 10.1016/0014-5793(81)80211-6
  21. Gorman et al. Electron and light microscopic observations of bacterial cell surface effects due to taurolidine treatment. Lett Appl Microbiol 1987. DOI: 10.1111/j.1472-765X.1987.tb01593.x 
  22. Blenkharn et al. Sustained anti-adherence activity of taurolidine (Taurolin) and noxythiolin (Noxyflex S) solutions. J Pharm Pharmacol 1988. DOI: 10.1111/j.2042-7158.1988.tb05288.x
  23. Jacobi et al. Taurolidine—a new drug with anti-tumor and anti-angiogenic effects. Anticancer Drugs 2005. DOI: 10.1097/01.cad.0000176502.40810.b0
  24. Caruso et al. Taurolidine antiadhesive properties on interaction with E. coli; its transformation in biological environment and interaction with bacteria cell wall. PLoS One 2010. DOI: 10.1371/journal.pone.0008927 
  25. Dinçer et al. Effect of taurine on wound healing. Amino Acids 1996. DOI: 10.1007/BF00806093